Kritik

Zwei Jahrhunderte Wasserfarbe

Lexikon | aus FALTER 12/10 vom 24.03.2010

Gustav Klimt, Oskar Kokoschka, Egon Schiele und noch viele andere mehr bedienten sich der Kunst des Aquarellierens, praktizierten sie phasenweise oder führten sie zu technischer Meisterschaft. Wie enorm facettenreich sich der Umgang mit dem Medium von der Zeit des Biedermeier bis zur jüngeren Vergangenheit darstellt, macht die Ausstellung „Verborgene Schätze der österreichischen Aquarellmalerei“ nachvollziehbar.

Von den rund 1000 Aquarellen seiner Sammlung hat Rudolf Leopold anlässlich seines 85. Geburtstags jene 200 ausgewählt, die bislang kaum oder noch nie präsentiert wurden. In einer nach Epochen gegliederten chronologischen Abfolge macht die Schau vor allem den sich wandelnden Stellenwert deutlich, den die Aquarellmalerei im Verlauf der letzten zwei Jahrhunderte erfahren hat. So erreichte es in der Zeit des Vormärz vor allem durch Rudolf von Alt eine Hochblüte. Seine Ansichten von Straßen und Plätzen, seine Innenräume und Landschaften begeistern durch eine Detailgenauigkeit, die nahezu fotografisch wirkt. Von Alts herausragende Position zeigte selbst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch Wirkung, als die Ölmalerei dem Aquarell seine Ebenbürtigkeit strittig machte und das Genre fortan mehr als Skizze Verwendung fand. Erst bei Egon Schiele bildete es wieder einen Schaffensschwerpunkt.

In der Zwischenkriegszeit trat u.a. Wilhelm Thöny mit farblich zurückhaltenden Stadtansichten in Erscheinung, währen Josef Dobrowskys Burgenlandbilder durch expressive Couleur beeindrucken.

Das jüngste Werk aus dieser Schau stammt aus dem Jahr 2006 und belegt, dass das Malen mit Wasserfarbe selbst im 21. Jahrhundert noch Relevanz besitzt. MJ

Leopold Museum, bis 24.5.


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