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Kurz besprochen:Gedichte, Gedichte, Gedichte

Lexikon | aus FALTER 12/10 vom 24.03.2010

Liebeslyrik

Michael Lentz: Offene Unruh. 100 Liebesgedichte. S. Fischer, 167 S., € 17,50

Schmerz auf Herz zu reimen galt in der deutschen Dichtung jahrzehntelang als Wiederbetätigung. Der Ausnahme-Kitsch eines Erich Fried bestätigte die Regel. Den hat Michael Lentz in „Offene Unruh“ nicht nur im Untertitel zum Maßstab genommen. Das Büchlein in Packpapierbraun und Moleskineformat suggeriert Alltagstauglichkeit; dass Liebe nicht mehr einfach so zu bedichten ist, weiß der Literaturlehrer aus Leipzig ohnehin – er nennt sie „trockengelegtes Neubaugebiet“.

Es sind Gedichte wie von Ikea. Riskant wird „wissen“ auf „kissen“ und „vermissen“ gereimt, zu großen Worten wie „offnes feuer“, „vögel“, oder „stammeln“ muss man die Ironie selbst hinzudenken. Germanisten mögen sich am Intertext ergötzen („wer nie sein handy mit tränen aß“, „was aber echt ist selig hat es keinen mund“), Rapper an Sprüngen wie „das bett / ist es der grund über den alles


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