Buch der Stunde

Als der Dichter zum Ton eine Stimme bekam

Ulrich Rüdenauer | Lexikon | aus FALTER 12/10 vom 24.03.2010

Seit in den Salons des klassischen Weimar die Dichter ihre neuesten Werke vorlasen, Konzertveranstalter Autoren wie Hugo von Hofmannsthal auf Lesereisen schickten, erhielt der Poet des Gutenberg-Zeitalters zusätzlich zum dem gedruckten Text innewohnenden Ton auch eine Stimme: Diese Stimme kann das Werk neu erschließen, Bedeutungen hörbar machen, die bei der stillen Lektüre verborgen blieben. Sie kann auch etwas verraten über den Autor und seine Arbeit; über sein Verhältnis zum Geschriebenen. Die Lesung ist eine eigene Kunstform, und das Rezitieren der Texte nimmt zuweilen etwas Magisches an – es ist der Lackmustest für die Güte einer literarischen Arbeit und zugleich der Wunsch, den Sätzen ein Geheimnis zu entlocken.

Mit den ersten akustischen Aufzeichnungen der Stimme – davor wurde der Höreindruck nur schriftlich dokumentiert – lässt sich auch hörend nachvollziehen, wie die Poeten ihre Gedichte interpretiert haben und wie sich die Praxis der Rezitation gewandelt hat.

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