Theater Kritik

Eine Sitcom-Familie auf Rock ’n’ Roll

Steiermark | Teresa Falk | aus FALTER 12/10 vom 24.03.2010

Martin G. Wankos Saga um die „Familie Penner“, deren fünfter Teil nun im Theater im Keller zu sehen ist, verlangt dem Publikum viel Sinn für das Burleske ab. Dann aber lohnt sich ein Besuch bei den Penners, diesmal „Voll auf Rock ’n’ Roll“, durchaus.

Die Sitcom-Familie durchlebt als in der Grazer Gegenwart gedeihende Subspezies der Sackbauers einmal mehr die Dramen eines ganz normal absurden Alltags, mitsamt großen Leidenschaften und dazugehörigen Missverständnissen. Fans und solchen, die es werden wollen, sei der wunderbare Fotoroman im Foyer des Theaters nahegelegt, der alles, was bisher geschah, dokumentiert.

Text und Handlung scheinen sorgsam darauf bedacht, keinen Kalauer, kein Klischee auszulassen, überraschen dabei aber auch auf erfrischend spielerische Weise. Regisseur Alfred Haidacher setzt dies entsprechend liebevoll um und macht enthusiastisch Gebrauch von den Tapetentüren seiner Bühne. Freilich bleiben, wenn mitunter die Ideen ausgehen, wenig mehr als schwächelnde Dialoge in grell beleuchteter Beliebigkeit.

Die Darsteller sind in ihren Rollen bestens besetzt, man wähnt sich zuweilen in ein Real-Life-Format des Privatfernsehens versetzt. So etwa wirken Eik Breit und Bernd Sracnik kongenial, ob im Unterhemd oder als Retrorocker kostümiert. Ebenso authentisch überzeichnet: Ehefrau und Mama Ulli Emmer. Wo aber in der Story die Geschlechter- und Generationenkonflikte überwunden werden, divergiert das Spiel der Protagonisten oft allzu sehr.

Die Kompositionen, die die Handlung mittragen, sind jedenfalls so eingängig, dass sie jetzt schon generationsübergreifend nerven. Gut so.

Theater im Zentrum, Fr, Sa 20.00


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