Musiktheater Kritik

Frühlingsmusik in der Grazer Oper

Steiermark | Herbert Schranz | aus FALTER 12/10 vom 24.03.2010

Zu schön für unsere Ohren und gewaltig viel [!] Noten, lieber Mozart“, befand Joseph II. über Mozarts erstes Wiener Bühnenwerk „Die Entführung aus dem Serail“. Wie viel Treffendes damit der kaiserliche Auftraggeber zugleich zum zweiten Großauftrag „Le nozze di Figaro“ (1786) vorwegnahm, zeigt der neuseeländische Dirigent Tecwyn Evans mit den Grazer Philharmonikern und dem Sängerensemble der Oper Graz im angestammten Haus.

Die Musiker machen die „gewaltige“ Dichte des Werks transparent und entsprechend erlebbar. Das zügige Grundtempo Evans’ ist dabei kein Hindernis. Es erscheint wie abgeleitet vom frühlingshaft raschen Vibrato der berührendsten Sängerin des Abends, Christina Daletska als Cherubino – die Lembergerin gibt ihren Erstauftritt in Graz mit einem Rollendebüt. Mozarts Reichtum macht öfters prinzipielle Erlebensgrenzen fühlbar, was den Handlungsablauf betrifft, verantwortet diese aber eine unverständliche Regiearbeit Josef E. Köpplingers. Erstgenanntem begegneten die frühesten Wiener Aufführungen mit zweifachen Wiederholungen der vielschichtigen Ensembleszenen. Wieso aber ist das zerfallende Schloss des Grafen Almaviva (Igor Gnidii) in Aguasfrescas bei Sevilla ausgerechnet in die Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg versetzt? Wieso ist die Abendszene im Garten nicht wirklich abgedunkelt? Solche bleibenden Unklarheiten erschweren das Mitverfolgen und rücken eine erfahrbare Deutung der Opera buffa ins Ferne.

Das Sängerteam bietet eine fast durchwegs gute Leistung. Besonders hervorzuheben sind Gal James als überzeugende Gräfin sowie Alik Abdukayumov als solider Figaro. Margareta Klobucar als Susanna bewegte sich darstellerisch und deklamatorisch manchmal im Seichten.

Oper Graz, So 15.00, Mi 19.00


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