Psalm: ein kulturelles Hosianna in der Höh’

Steiermark | Herwig G. Höller | aus FALTER 12/10 vom 24.03.2010

das interreligiöse kulturfestival widmet sich 2010 dem garten

Was blieb von 2003, dem Jahr, als Graz Kulturhauptstadt Europas war? Vieles ist verschwunden, als einzig auffällige 2003-Landmarks blieben lediglich Kunsthaus und Murinsel in der Grazer Stadtlandschaft. Aber auch ein feines Festival hat die Zeiten überdauert – „Psalm". Hier spürt styriarte-Intendant Mathis Huber alljährlich zu Ostern den Querbeziehungen von Musik und Judentum, Christentum bzw. Islam nach – das Genre Psalm ist in allen monotheistischen Weltreligionen bekannt. Kurzum, es handelt sich um einen kulturellen Dialog fernab jedes Kampfes der Kulturen, der in Graz bereits Tradition hat.

Mit „Zurück in den Garten" – das Festivalmotto geht auf einen Refrain der kanadischen Liedermacherin Joni Mitchell zurück – greift Psalm 2010 aber auch eine ganz andere Traditionslinie auf: jene von Graz als „Gartenstadt". Zum Auftakt geben timna Brauer, elias meiri und marwan abado am Samstag ein jüdisch-palästinensisches Gartenfest und imaginieren, wie es wäre, wenn Israelis und Palästinenser gemeinsam in Jerusalem musizierten. Am Palmsonntag erklingen Arien von Georg Friedrich Händel und Georg Philipp Telemanns Pariser Quartett, tags darauf liest Peter Simonischek aus Thomas Bernhard, spielt das Recreation-Orchester Josef Haydn. Mystische Lieder aus dem europäischen und osmanischen Mittelalter folgen, weiters eine Johann-Joseph- Fux-Oper, die im Garten Gethsemane spielt, und schließlich passende Klänge zum Karfreitag bis hin zu Liedern von „Blumenkindern" à la Joni Mitchell aus dem Garten Woodstock. Der war für manche auch ein Paradies.

Psalm 2010, 26.3. bis 5. 4., www.psalm.at


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