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Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 12/10 vom 24.03.2010

An dieser Stelle möchte ich mich bei allen entschuldigen. Es muss dann aber auch wieder gut sein. Ich fordere einen kommunikationsethischen Ablass auf Lebenszeit! Millionen von Menschen haben mir in den letzten Tagen tolle Texte, wohlfeile Weitflüge, ein größeres Gemächt und ehebaldigst zu vollziehende Express-Ehen angeboten, und ich habe nicht darauf reagiert. Ich war nicht da, und wenn ich da war, habe ich Text in Kästchen abgefüllt. Der Dusini, der sich habituell mit Bilderpinslern befasst, heißt mich liebevoll einen Kastlmacher. Ich werde meinen Abwesenheitsassistenten auf Dauerbetrieb stellen. Die einzige Message, die in die Welt hinausgehen wird: „Klaus Nüchtern kommuniziert nur mehr brieflich oder per Rohrpost.“ Was waren das für Zeiten, als maschingeschriebene Manuskripte persönlich abgeliefert oder per Post zugestellt wurden?! Erinnert sich noch jemand an die kurze Hochzeit des Faxinterviews? Irgendwann werden unsere Gehirne wahrscheinlich ton- und stromlos miteinander kommunizieren, aber die Wonnen interzerebraler Wirelessness werde ich wohl nicht mehr erleben. E-Mail braucht aber schon noch Strom, oder?! Vielleicht ist das der Grund, warum der No Impact Man entgegen ursprünglicher Vereinbarungen auf Wurmdoblers Mails doch nicht geantwortet hat. „Iiih, da ist ja Strom drin“, hat sich der gedacht. Also kein Mailinterview für Wurme. Kein Wunder, wenn der den Glauben an E-Mail auch noch verliert. Die Säkularisierung schreitet voran, und No-Mail-Man geht jetzt heim. Ich gehe heim, ignoriere meine Mailbox und lese „Dr. Murkes gesammeltes Schweigen“.


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