Meinesgleichen

Die Verfolgung des Heinz-Christian Strache

Falter & Meinung | aus FALTER 12/10 vom 24.03.2010

Heinz-Christian Strache fühlt sich vom ORF verfolgt, und wer ihn verfolgt, den verfolgt auch er. Nun beklagt Strache, der ORF habe ihm Neonazis als „Agents Provocateurs“ untergeschoben (Seite 13). Der Hintergrund: Der ORF-Reporter Ed Moschitz drehte eine Dokumentation über zwei Neonazis. Wochenlang begleitete er zwei Recken mit der Kamera. Er nahm die beiden zu einer Strache-Kundgebung mit und konfrontierte sie dort mit dem Autogramme schreibenden FPÖ-Chef.

Sie sollten ihm nun sagen, was sie wollen. Das taten die beiden aber nicht. Strache mutmaßte, Reporter Moschitz habe die beiden aufgefordert, ihm „Sieg Heil“ zuzurufen. Ein vom ORF veröffentlichtes Originalband zeigt, dass das nicht stimmt. Strache behauptet nun, das Band sei manipuliert. Das ist läppisch, doch bleibt ein Nachgeschmack. Der ORF zahlte den beiden Neonazis 100 Euro für die Abgeltung der Senderechte; das scheint zu wenig und zu viel zugleich. Als Mitwirkungshonorar zu wenig, als Tagsatz reichlich. Erinnert ein wenig an den Herrn Karl (Zitat rechts).

Es ist sicher schwer genug, eine Dokumentation über das Neonazi-Milieu zu drehen. Der Besuch von Strache-Kundgebungen scheint zu diesem Milieu zu gehören. Dass vieles bei einer solchen Dokumentation der Realität nachinszeniert ist, versteht sich. Dennoch ist es nicht unproblematisch. Dass Herr Strache als „verfolgende Unschuld“ (Karl Kraus) für sich selbst das Beste draus macht, ebenfalls.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige