Kommentar

Das große Unglück: Ein Konzern zwingt die Regierung in die Knie

Glücksspielgesetz

Falter & Meinung | Florian Klenk | aus FALTER 12/10 vom 24.03.2010

Glücksspiel kümmerte bislang ein paar Spieler, die ihrem Luxushobby in noblen, staatlichen Casinos frönten – unter Aufsicht von Croupiers, die zur rechten Zeit Spielsüchtige stoppten. Doch seit einigen Jahren mischt der bestens vernetzte Gumpoldskirchner Milliardenkonzern Novomatic mit. In Dörfern und Vorstädten schossen dessen „Admiral-Casinos“ aus dem Boden. Durch technische Finessen umgingen die Novomatic-Automaten die Grenzen des „Kleinen Glücksspiels“ (50 Cent Höchsteinsatz, 20 Euro Maximalgewinn).

Dieses Gesetz war geschaffen worden, „damit der Arbeiter sein Lohnsackerl nicht verspielt“. Heute kann sich eine wachsende Zahl Spielsüchtiger binnen weniger Minuten ruinieren und Familien mit in den Abgrund reißen. Die Behörden müssen dem Treiben zusehen. Restriktion und Spielerschutz wären gefragt. Die sozialen Folgekosten des Geschäfts mit dem Glück (Begleitkriminalität und Spielsuchtentwöhnung) trägt die Allgemeinheit.

Doch in diesen Tagen scheint die Koalition daranzugehen, das „Kleine Glücksspiel“ einfach abzuschaffen. In Spielhallen dürfen fortan zehn Euro pro Spiel eingesetzt werden, das 20-Fache des bisherigen Höchsteinsatzes, so der Plan. Ein Spiel muss nur eine Sekunde dauern. In einer Stunde kann man also 36.000 Euro verspielen. Das freut Länder und Finanzminister Pröll, die kräftig mitschneiden. Das freut die Novomatic, die ihr Ziel mittels Einschüchterung von Kritikern und „Sponsoring“ erreicht zu haben scheint. Die kritische Öffentlichkeit schweigt. Das Glücksspielgesetz ist ein Lehrstück, wie ein Konzern seine Interessen schamlos durchsetzt. Noch kann der Nationalrat das große Unglück stoppen.


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