Markus Lüpertz zeigt in der Albertina die Malerei als Krone der Schöpfung

Feuilleton | aus FALTER 12/10 vom 24.03.2010

:Nicht der protzige Malereiberserker Lüpertz steht im Mittelpunkt einer rund 100 Arbeiten umfassenden Schau in der Albertina, sondern ein Atelierarbeiter auf der Suche nach Bildideen.

Noch keine 30 Jahre alt malt Lüpertz 1970 monumentale Gemälde mit „deutschen Motiven“: Stahlhelmen, Kindern auf dem Land und Getreideähren. Einige der Studien dazu sind nun in Wien zu sehen. Die braune Farbe der Malunterlage Packpapier passt zu den erdigen Motiven, mit denen der Künstler bewusst provokant in dem durch die NS-Zeit kontaminierten Schollenboden wühlte.

Die mit akademischem Strich entworfenen Männerleiber könnten auch um 1900 von Ferdinand Hodler gemacht worden sein. Denn obwohl der Künstler als Kommentator der Originalität und Eigenhändigkeit das Wort redet, wirken seine Bilder sympathisch zitathaft.

Das zeigt sich nicht nur im Umgang mit den schweren Zeichen expressionistischer Ästhetik. Titel wie „Stadtschnurrbart“ für eine in Schräglage gebrachte Wolkenkratzerreihe erinnern daran, dass es in Deutschland auch die humorvolle Fluxusbewegung gab, bevor Lüpertz, Baselitz und Kiefer die Malerei als superseriöse Premiummarke etablierten.

So wird der raunende Tiefsinn durch eine zeitgemäße, poppige Oberflächlichkeit aufgelockert. In dem Triptychon „Schornstein – dithyrambisch“ (1969) rauchen Industrieschlote wie Wirtschaftswunderzigarren.

Markus, der Maler, signiert seine Werke, was sonst nur mehr Freizeitmaler machen. Als Hommage an einen französischen Bildhauer nennt er sich einmal auch Markus Maillol. Der Weg von hier zu Martin Kippenberger ist nicht weit.

Die ironische Seite des Künstlers äußert sich auch in einer Reihe von Affenskulpturen im klassizistischen Gang der Albertina, die wie Lehrbeispiele eines naturhistorischen Museums zur Veranschaulichung der Evolution wirken. Zu den Werkzeugen, mit denen die King-Kong-Miniaturen spielen, gehören Pinsel und Palette. MD

Markus Lüpertz: „Metamorphosen der Weltgeschichte“ Bis 6. Juni in der Albertina


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