Phettbergs Predigtdienst

Keine Rede von sexueller Not

Kolumnen | aus FALTER 12/10 vom 24.03.2010

Hermes Phettberg führt seit 1991 durch das Kirchenjahr

Das von mir im November ausgewählte Meditationsbild sieht so religiös aus: Ein Maso kniet vor einem und küsst dessen jeansbehosten Oberschenkel mit Inbrunst. Inniger könnte es der heilige Johannes, der Evangelist, nicht tun. Johannes war ja Jesu Lieblingsjünger, laut Evangelium. Du musst dir vorstellen: keine Rede im ganzen Neuen Testament von sexueller Not. Kein Wort, so gereinigt wurde es. Jesus hatte Johannes, typisch r.-k., den jüngsten der Jünger. Logo den JÜNGSTEN der Jünger. Die R.-K. waren noch nie dumm.

Heute um 12 Uhr verkündete Benedikt XVI., wie er sich die Kirche und den Sex mit Priestern im Detail und real vorstellt gemäß den jüngsten Sexmeldungen im r.-k. Priestervolk. Der Papst sagte im Brief an die irischen r.-k. Tätys und Opfys, sie müssten sich „Gott“ und den staatlichen Gerichten stellen und alles offen melden, was in der r.-k. Kirche geschah! Dennoch wird es sicher einen Riesenschwung an Kirchenaustritten geben. Ich war nie Täter und nie Opfer. Und ich trete nicht aus, obwohl ich weiß, es gibt keine Gottheit. Jetzt hab ich ein jämmerliches Heimatgefühl in der Stumpergasse 13 gefunden und soll nun den Schmutz in mir wieder aufwühlen? Ich lasse jetzt alles setzen. Ich möchte in Ruhe meine Woche leben.

Heute läuft der fünfte Fastensonntag, handelnd von der ehebrechenden Frau, wo Jesus auf den Sand notiert. Raffiniert von der Kirche, gerade dann dieses Johannes-Evangelium als Thema zu wählen, wenn der Papst bereut und die r.-k. Kirche zu retten versucht. Ab heute werden alle Kreuze verhüllt (1. Passionssonntag).

Es waren heute extrem wenige in der Krankenhauskapelle. Inklusive Priester und mir und drei Schwestern insgesamt zwölf! Ich glaub, so wenige waren noch nie in der Krankenhauskapelle. Ist das ein Signal? Nur die Zwangsneurotiker halten durch? Gott sei Dank hab ich in den Protokollen alles notiert.

Oft fährt ein taxifahrender Sikh mit mir heim. Er ist ein großer Gentleman. In meinem Inneren nenne ich ihn „des Gottes Kommunikator“. Sonst sind es immer mir unbekannte Taxifahrer, nur den Sikh treffe ich öfter an. Es wär so eine schöne Ewigkeit ... Es gibt kaum Gespräche im Taxi, nur der Sikh-Gentleman plaudert beim Heimfahren immer mit mir.

Die ungekürzte Version des Predigtdienstes ist über www.falter.at zu abonnieren.

Unter www.phettberg.at ist wöchentlich neu zu lesen, wie Phettberg strömt


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