Kritiken

Josefstadt: Operette sich wer kann

Lexikon | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 13/10 vom 31.03.2010

Weiter können Form und Inhalt nicht auseinanderklaffen: Das reale Grauen des Holocaust trifft auf die surreale Welt der Operette. „Jedem das Seine“ von Silke Hassler und Peter Turrini, uraufgeführt 2007 in Klagenfurt, spielt in den letzten Kriegstagen, als Häftlinge in „Todesmärschen“ durch die „Ostmark“ getrieben wurden. Konkret geht es um eine Gruppe ungarischer Juden, die auf dem Weg nach Mauthausen in einem Stadl einquartiert sind. Unter Anleitung eines Operettensängers studieren die Todgeweihten „Wiener Blut“ ein. Holocaust-Kitsch? Den vermeidet Regisseur Herbert Föttinger mit formaler Strenge: leere Bühne, starke Striche, präzise Schauspielerführung. Und Gaststar Norman Hacker lässt als Verzweiflungskomiker keine falsche Sentimentalität aufkommen.

Theater in der Josefstadt, Mo, Do 19.30


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