Kritik

Wien und Wahnsinn zur Jahrhundertwende

Manisha Jothady | Lexikon | aus FALTER 13/10 vom 31.03.2010

Der Bildhauer Franz Xaver Messerschmidt war wohl nicht nur ein Satiriker, wenn es um die Darstellung von Affekten ging. Seine berühmten „Charakterköpfe“ lassen erahnen, dass er als Künstler der Aufklärung die menschliche Psyche zu ergründen suchte. In der Ausstellung „Madness & Modernity. Kunst und Wahn in Wien um 1900“ werden einige seiner nach 1770 entstandenen grotesken Köpfe als Beleg dafür herangezogen, dass Künstler lange vor Sigmund Freuds Lehre psychische Störungen als Thema aufgegriffen haben. Gegenübergestellt sind sie einem filmischen Rundgang durch den Narrenturm. 1784 errichtet, ist das weltweit erste Spezialgebäude zur Unterbringung von „gefährlichen Irren“ heute noch sichtbarer Ausdruck für die einstige Kriminalisierung gesellschaftlich devianter Verhaltensformen. In sechs Kapiteln illustriert die Schau die Beziehungen zwischen Psychiatrie, bildender Kunst, Architektur und Design und zeigt dabei auch Kuriositäten wie zwei in Wachs modellierte Microcephali.

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