Kritik

Situationsbericht aus den östlichen Nachbarländern

Lexikon | aus FALTER 13/10 vom 31.03.2010

Einen Einblick in die aktuelle Kunstproduktion Tschechiens und der Slowakei gibt die Ausstellung „Formate der Transformation 89–09“. Nahezu alle 49 Akteure der Schau haben ihre Karrieren erst in der postkommunistischen Ära begonnen. Ausgewählt wurden sie von einem Kuratorenteam, das sich von Begriffen wie Kritik, Subversion und Ironie leiten ließ.

„20 Jahre sind vergangen, und noch immer haben wir nicht das Gefühl, das andere Ufer erreicht zu haben; bei vielen von uns überwiegt das Gefühl, dass wir noch mitten im Sprung sind und dass der Stein, auf dem wir landen wollen, rutschig und instabil ist“, schreibt Projektleiter Rostislav Korycánek im Ausstellungskatalog. Er scheint damit jene Verunsicherung zu erklären, die Kunstszenen prägt, die an ihrer Anschlussfähigkeit an das internationale Kunstgeschehen ebenso arbeiten, wie sie um die Neudefinierung ihrer lokalspezifischen Identität bemüht sind.

Politische Komponenten ziehen sich dabei durch die gesamte Schau, wenngleich sie nicht immer so eindeutig ausfallen wie bei Viktor Freso, der 2008 die Fassade der Slowakischen Nationalgalerie mit den Worten „Vielen Dank für alles, was Sie für die slowakische bildende Kunst geleistet haben, aber jetzt verpissen Sie sich“ versah. Unter Kapitelüberschriften wie „Kapitalistischer Kommunismus“ werden in dieser Ausstellung unglücklicherweise auch so unpolitische Arbeiten wie jene von Katerina Sedá subsumiert. Ihre Filzstiftzeichnungen sind Dokumente eines therapeutischen Dialogs, den die Künstlerin mit ihrer Großmutter führte.

Derart verstellt die Ausstellung insgesamt immer wieder den Blick auf individuelle Aussagen und private Mythologien, die Kunstschaffende aus dem ehemaligen Ostblock selbstverständlich auch eröffnen. MJ

Musa, bis 30.4.


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