Neu im Kino

Cops unter Leidensdruck: „Brooklyn’s Finest“

Lexikon | Joachim Schätz | aus FALTER 13/10 vom 31.03.2010

New York City’s like a graveyard“, sangen vor einer knappen Dekade die Moldy Peaches, und wie zum Beweis beginnt „Brooklyn’s Finest“ mit einer Friedhofslandschaft, die der Großstadtsilhouette dahinter täuschend ähnelt.

Angemessen fatalistisch geht es die nächsten zweieinhalb Stunden weiter in diesem Männermelo über New Yorker Exekutivbeamte am Rande des Nervenzusammenbruchs: Ein depressiver Streifenpolizist (Trübsal: Richard Gere) wenige Tage vor der Pensionierung, ein verdeckter Ermittler (Weltschmerz: Don Cheadle) im Loyalitätskonflikt und ein Drogencop (Panik: Ethan Hawke) mit Geldsorgen rennen um die Wette in Richtung Verderben. In einem gravitätischen Grande Finale werden die drei Handlungsstränge zwanghaft zusammengeknotet.

Davor interessiert sich das abwechselnd schlaue und krude Skript von Michael C. Martin dankenswerterweise mehr für die Institution Polizei und ihre Milieus als für babelhafte Schicksalsspielchen. Über die kompakte Variation von Genrestandardsituationen geht vor allem der Plot um Hawkes moralisch herausgeforderten Familienvater hinaus, der für die Hypothek aufs neue Haus schon einmal Drogengeld konfisziert.

Antoine Fuqua, der mit „Training Day“ bereits einen (böseren, besseren) Polizeithriller vorgelegt hat, inszeniert körperliche Gewalt und seelische Zerrüttung mit Nachdruck, aber ohne Ausschweifungen in Richtung Style; fürs formal herbeigedröhnte Epos fehlt dann doch die erzählerische Substanz. Dem Fatalismus entkommen ist das Casting: In Nebenrollen erfreuen die Karrieretotgeglaubten Ellen Barkin (als strenge Agentin) und Wesley Snipes (als herzlicher Unterweltunternehmer).

Ab Fr in den Kinos (OF im Gartenbau)


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