Buch der Stunde

Gurameto und das Laster von Gjirokastra

Lexikon | Stefan Apfl | aus FALTER 13/10 vom 31.03.2010

Die herausragende Eigenschaft der südalbanischen Stadt Gjirokastra ist ihr Laster „über alles und jeden wilde Spekulationen anzustellen“. Absurderweise dient ausgerechnet das Verhältnis zwischen dem großen und dem kleinen Gurameto als maßgeblicher Index: Die beiden Chirurgen, deren Namen gleichermaßen auf Körpergröße, Autorität und medizinisches Geschick zurückgehen, dienen als Waage, anhand derer die kollektive Befindlichkeit gemessen wird. Bis jener folgenschwere Abend im Jahr 1943, der dem Roman als Titel und Tatort dient, die Bewohner aus ihrem sympathisch verrückten Alltagstrott reißt und sie den Weltkriegswirren aussetzt: mit der deutschen Besatzung Albaniens beginnt Ismail Kadares bedrückende Satire.

Eine deutsche Panzereinheit hat soeben die Stadt erobert, da lädt der große Gurameto den befehlshabenden Offizier der feindlichen Truppen, zufällig ein Kommilitone aus Gurametos deutschen Studententagen, zum Abendessen ein und überredet diesen bei ohrenbetäubender


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