Meinesgleichen

Neonazi-Doku im ORF: Soup oder Soap?

Falter & Meinung | aus FALTER 13/10 vom 31.03.2010

Der ORF kann froh sein. Unversehens trat er eine Debatte über sich selber los. Das war das Gute im Fall der Neonazi-Doku: Der Fall wurde im ORF selbst debattiert. Dass Herr Strache nun derart laut schreit, hängt auch damit zusammen, dass er Ablenkungsbedarf hat: Frau Rosenkranz, des Neonazismus unverdächtig, soll so weit wie möglich aus dem Bild rücken. Deswegen hat die Krone von der Affäre kaum berichtet.

Der ORF kann froh sein. Die ÖVP entdeckt den Qualitätsjournalismus und mahnt ihn ein. Dass ihr Klubobmann Karlheinz Kopf wohl eher die Chance sieht, nun den wichtigen Posten des Magazinchefs mit einem Mann seines Vertrauens zu besetzen, ist gewiss nur böse Unterstellung.

Der ORF kann keineswegs froh sein, denn der Fall gereicht ihm nicht zur Ehre. Hier sind offenbar Grenzen des Qualitätsjournalismus überschritten worden. Bei Dokumentationen darf an Mitwirkende kein Honorar bezahlt werden, das erfordert die Seriosität des Mediums. Dass das ausgerechnet in einer Sendung der Redaktion von „Am Schauplatz“ geschieht, die sonst so vorbildlich öffentlich-rechtlich agiert, ist umso betrüblicher.

Der ORF kann sich freuen. Er erhält eine Debatte über jenen Qualitätsjournalismus, den zu liefern er verpflichtet ist. Um diesen Journalismus geht es, nicht um politisches Kleingeld, Postenschacher und Lagersolidarität. Solange der ORF in der gleichen Suppe sitzt wie wir, in der Qualitätssuppe, helfen wir ihm gern beim Auslöffeln.


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