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Politik | aus FALTER 13/10 vom 31.03.2010

Herr Hauswirth, will die Firma Lindt Ihre Hasen ausrotten?

Seit Jahren liefern sich der Schweizer Chocolatier Lindt und die Wiener Konditorei Hauswirth einen Rechtsstreit. Lindt beruft sich auf das Markenrecht und will dem Konkurrenten verbieten, ebenfalls goldene Schokohasen zu verkaufen. Firmenchef Roman Hauswirth erklärt, warum er für seine Hasen kämpft.

Ihr goldener Osterhase ist eine gefährdete Tierart. Wie geht es ihm derzeit?

Lindt hat eine einstweilige Verfügung erwirkt, die ist nach wie vor in Kraft. Unser Hase mit roter Masche ist nicht am österreichischen Markt erhältlich.

Stattdessen verkaufen Sie jetzt einen Goldhasen mit rot-weiß-roter Schleife.

Ja, ein anderes Urteil hat bestätigt, dass ein goldener Sitzhase mit rot-weiß-roter Masche nicht verwechselbar ist. Wir würden gerne den Prozess friedlich lösen und einen Vergleich anstreben. Aber die Firma Lindt fordert, dass wir alle bisherigen Kosten übernehmen. Das geht uns zu weit, zumal wir uns gute Chancen im Prozess ausrechnen.

Welcher Hase war zuerst da? Ihrer oder der von Lindt?

Am österreichischen Markt war unserer Hase definitiv der erste. Wir können unsere Produktion bis ins Jahr 1951 zurückverfolgen, damals wurde er von Hand erzeugt, 1962 begann die maschinelle Produktion. Wohingegen die Hasen der Firma Lindt erstmals 1994 oder 1995 nach Österreich gekommen sind.

Es geht also darum, dass die Firma Lindt Ihre Hasen ausrotten will?

Das kann ich nicht beantworten. Ich würde mich aber freuen, wenn Sie diese Frage der Firma Lindt stellen.

Haben Sie als Schokoladeexperte eine Empfehlung, wie man die Osterhasen richtig isst?

Am besten sind die am dünnsten gegossenen Stellen

Sind das die Ohren?

Das ist von Hase zu Hase ein bisschen verschieden. Aber ein dünnes Stück Schokolade zart auf der Zunge zerschmelzen zu lassen, das ist meine Empfehlung.

Interview: Ingrid Brodnig


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