Tausend Experten, Perspektiven 90, Netzwerk Innovation – Dekaden roten Denkens

Politik | aus FALTER 13/10 vom 31.03.2010

Bruno Kreisky hatte keine Berührungsängste. Im Österreich der späten 60er-, als Rote und Schwarze lieber unter sich blieben, öffnete er die SPÖ erstmals für Leute, die mit der Sozialdemokratie nichts zu tun hatten. Er umgab sich im Wahlkampf 1970 mit seinen „1000 Experten“ – und stürzte die ÖVP-Alleinregierung.

Sein Nachfolger Fred Sinowatz, kein prononcierter Intellektueller wie Kreisky, setzte die Tradition des großen Vorsitzenden trotzdem fort: Unter seiner kurzen Amtszeit starteten die „Perspektiven 90“ und „Sozialdemokratie 2000“.Schon bei den „Perspektiven“ stellten sich die Roten eine Grundsatzfrage: Wie groß ist die Kluft zwischen sozialistischer Theorie und der von Sozialisten maßgeblich mitgestalteten Wirklichkeit? Beide Nachdenkinitiativen wurden unter Franz Vranitzky fortgeführt. Er entwarf mit seinen „Themen der Zeit“ ein Kanzlerprojekt, das über ein SPÖ-Vorhaben hinausging und sich etwa mit der Frage „Was ist Glück in unserer Gesellschaft?“ beschäftigte. Damals schon einer der linken Vordenker: Caspar Einem. Vranitzky setzte auch die Initiative für das Parteiprogramm, das 1998 unter seinem Nachfolger Viktor Klima beschlossen wurde.

Das „Netzwerk Innovation“, der letzte Denkanlauf unter Alfred Gusenbauer ab 2000, erinnert von der Konzeption am ehesten an die Kreisky-Zeit. Gusenbauer war wie Kreisky in der schwierigen Rolle des Oppositionschefs und wollte neue Seilschaften finden. In seinem Netzwerk wurde übrigens ein wichtiges Sozialprojekt ersonnen, das nun endlich realisiert werden soll: die Mindestsicherung.


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