Auf der Suche nach der gedehnten Zeit

Feuilleton | aus FALTER 13/10 vom 31.03.2010

Der spanische Schriftsteller Javier Marías packt die drängendsten Fragen des 21. Jahrhunderts in seine monströs hybride Romantrilogie „Dein Gesicht morgen“

Lektüre-Odyssee: Sigrid Löffler

Es dürfte eine der bizarrsten Szenen sein, die uns in der Literatur des 21. Jahrhunderts bisher untergekommen sind. Der Ort der Handlung ist die Behindertentoilette einer Nobeldisco im vornehmen Londoner Stadtteil Knightsbridge. Dorthin hat der britische Geheimdienstler Tupra einen spanischen Diplomaten locken lassen, mit der Aussicht auf eine Linie Koks. Aber während der Attaché vor der Toilette kniet, um das Pulver vom Klodeckel zu schnupfen, zieht Tupra plötzlich einen sogenannten „Katzbalger“, ein Landsknechtschwert der Renaissance, um dem Spanier den Kopf abzuschlagen. Wie gelähmt steht der schockierte Icherzähler, ein spanischer Übersetzer namens Deza, daneben, gänzlich unfähig einzugreifen.

Niemand anders als der spanische Erzähler Javier Marías ist imstande, eine derart aberwitzig


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