Prost!

Lexikon der Getränke. Diese Woche: Eierlikör

Stadtleben | aus FALTER 13/10 vom 31.03.2010

Passend zum Osterfest: das Getränk mit dem Ei drin

E mulsionen wecken Emotionen. Und Erinnerungen. So ist die Frage von Hermes Phettberg in seiner „Netten Leit Show“ nach der Getränkepräferenz des jeweiligen Talkgastes „Frucade oder Eierlikör?“ legendär, und wer Eierlikör sagt, muss automatisch an Phettberg (oder Frucade) denken. Spezialisten bestellten in der Sendung oft „beides“, was meist gleichermaßen anerkennendes wie angewidertes Gejohle seitens des Publikums zur Folge hatte.

Seien wir ehrlich: Nicht einmal die Oma mag heute noch Eierlikör. Früher mag die Mischung aus Eigelb, Zucker und Alkohol noch als mother’s little helper eine kleine Rolle gespielt haben. In der Küche natürlich; zahlreiche Mehlspeisrezepte unter Verwendung von Eierlikör zeugen noch von der einstigen Größe.

Zur sommerlichen Modespirituose wird’s der Eierlikör wohl nie schaffen und selbst die Eigenbauversion (sehr beliebtes, ungeliebtes Mitbringsel!) fristet in der Hausbar eher ein trauriges Dasein. Dabei ist die Geschichte dieser „Spezialität“ nicht unkurios. Wikipedia zumindest berichtet von europäischen Eroberern, die im 17. Jahrhundert im heutigen Brasilien bei den Ureinwohnern ein Erfrischungsgetränk namens „Abacate“ entdeckten. Aus Avocados, Rohrzucker und Rum wurde, so die abenteuerliche Schnapsmär, „Advocaat“, die Vorform des Eierlikörs. Mangels Avocados nahm schließlich der aus Antwerpen stammende Destillateur Eugen Verpoorten Eidotter. In diesen Tagen begegnet man dem Cremegetränk fast nur mehr im Schoko-Ei. Gut so. cw


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