Phettbergs Predigtdienst

Mein eigener babylonischer Turmbau

Kolumnen | aus FALTER 13/10 vom 31.03.2010

Hermes Phettberg führt seit 1991 durch das Kirchenjahr

Ich im Dialog mit mir. Ich tipp hier Unmengen hinein, kann dann aber nichts davon nachlesen und sinnieren. Zu viel ist zu viel. Ich bin mein eigener Zuviel-i-sator! Mein eigener babylonischer Turmbau! Nicht mehr lang, und jeder auf der Welt wird twittern. Und wenn dann jedes seine eigenen Texte nachliest, ist die Computerindustrie zufrieden? Die Industrien werden dank ihrer Zukunftsforschys rechtzeitig wissen, was nächste Saison nottut. Allein darum müssen wir alle 107 werden, damit die pharmazeutische Industrie 107 mal 12 mal 365 mal 12 Tabletten am Tag ... Sonst gibt es nicht genug Lebensmasse für alle Industrien.

Ich lese nur mehr meine eigenen Twittersätze und diskutier dann mit mir, was ich da gerade austwitterte. Ich hab eine feine Ausrede: 40 Jahre allein leben in Wien, zuerst in Meidling, dann in Gumpendorf. Und ich kann nun nichts mehr lesen. Ausreden haben wir parat, solange wir leben. Irgendwann hab ich einmal gepredigtdienstet: „Zuvielisation“. Ich, aus dem Blickwinkel des Obergescheiten. Und nun aus dem Blickwinkel des Opfers, das leidet. Nun hab ich es wieder gut, ich leide gern. Aber wenn einmal wirklich ein herzlich lieber Sadist käme, mich lieb hätt ...

Ich hab sowieso den kürzest nur denkbaren Männerschwanz, hätt aber trotzdem gern einmal probiert, wie es wär, wenn ich mich in den eigen Schwanz beißen könnt. „Er“ steht mir eh nimmer, also was tun? Zeller und Kürbiskerne in Unmengen essen? Es ist niemand da, der mit mir dialogisierte ... Also sitz ich allein ob meiner Protokolle. Ich rede mir halt ein, ginge ich in die Gegenwart von Sadisten, die mich knien ließen, würde „er“ sich schon melden. Denn ein kleinster Hauch von S/M-Dialog, und „er“ krabbelt noch ... Ein Buch wollt von mir einmal wissen, wie ich „ihn“ im Dialog mit mir nenne? Und mir fielen zwei Worte ein: „Schneeflocke“ und „Geschlechtsteil“.

Ich weiß nimmer, womit ich eigentlich den Lebenslauf hier begonnen hab. Es ist alles zu viel. Babylon total. Der am nächsten und öftesten mit mir Redende ist Dr. Wilhelm Aschauer in seiner Ordination Wien 13. Und ich Ärmling kann Dr. Aschauer nichts zahlen. Ist die klassische chinesische Medizin das genaue Visavis des Turmbaus zu Twitterlon?

Die ungekürzte Version des Predigtdienstes ist über www.falter.at zu abonnieren.

Unter www.phettberg.at ist wöchentlich neu zu lesen, wie Phettberg strömt


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