Kritik

Dunkle Kräfte wirken von innen und von außen

Lexikon | Nicole Scheyerer | aus FALTER 14/10 vom 07.04.2010

Unter einem Ausstellungstitel wie „Love and friendship in the nuclear age“ ist freilich vieles möglich. Der 1968 in Tirol geborene Künstler Klaus Auderer schert in der Galerie Dana Charkasi Positionen um sich, die seiner Meinung nach zum Kern der Dinge vorstoßen. Entsprechend das verbale Getöse in Auderers Begleittext, in dem er die Kunst gegen die „selbstgefälligen Pseudodemokratien dieser Welt“ und „ersatzreligiösen Plazeboeffekt“ in Schutz nimmt.

Wie postatomare Reste nehmen sich Auderers Skulpturen aus, etwa der Rumpf einer Schaufensterpuppe namens „I give...“, der der Künstler-Kurator kahles Nadelgehölz an die Stelle des Kopfes setzt. Auch die expressiven bad paintings des am Kunstmarkt gut etablierten Deutschen Bendix Harms verheißen wenig Gutes, wenn eine Eule – bekanntlich Symbol der Weisheit – triumphierend die Fahne über kleinen Menschleins schwingt. Daneben verknäuelt eine großformatige, feinlinige Zeichnung von Vera Korman organische Formen ineinander. Auch Tjoerg Douglas Beers mit schwarzer Farbe betropfte Skulptur „Hyäne“ auf Spiegelsockel, die fast schon in die Stilrichtung „New Gothic“ geht, macht sich gut im nuklearen Zeitalter. Detto die Zeichnungen von Ani Asvazadurian: Die Wienerin, Jahrgang 1982, rührt mit einer comichaften Bildsprache an existenzielle Belange, wenn sie Köpfe und Körper im Bann seltsamer Kräfte zeigt.

Liebe und Freundschaft, wie sie der Titel verspricht, ziehen in der Schau eindeutig den Kürzeren. So wird in Sebastian Daceys Gemälde zwar eine Umarmung dargestellt, aber die grüne Hautfarbe der männlichen Figur lässt wieder nur an das morbide Motiv „Das Mädchen und der Tod“ denken.

Galerie Dana Charkasi, bis 24.4.


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