Neu im Kino

Stars auf Städtetrip: „New York, I Love You“

Lexikon | Michael Omasta | aus FALTER 14/10 vom 07.04.2010

Man nehme elf mehr oder weniger renommierte Filmemacher, ein Doppeltes an mehr oder weniger gefragten Stars, gebe ihnen ein möglichst unverbindliches „Thema“ vor und fertig ist der Film. „New York, I Love You“ ist nach „Paris, je t‘aime“ (2006) das zweite Omnibusfilmprojekt des französischen Produzenten Emmanuel Benbihy über Liebe-in-Großstädten. Weitere ähnlich geartete Städtetrips nach Schanghai, Jerusalem und Rio de Janeiro drohen.

Da gibt’s die unmögliche, die selbstlose, die ersehnte, die zufällige, die verachtete, die ewige Liebe. Jeweils acht Minuten lang. Das stellt auch gute Schauspieler vor schier unlösbare Probleme, von den Drehbuchautoren ganz zu schweigen. Mehr als Apercus, so à la Milan Kundera für Arme, erlaubt dieses Konzept nicht – und manchmal reicht‘s selbst dafür kaum. Vor einer Bar in Soho baggert Ethan Hawke, der mittlerweile wie aus der Drogenklinik entlaufen aussieht, Maggie Q an, gibt ihr Feuer und redet sich den Mund fusselig, bis sie ihm zu verstehen gibt: „I‘m a hooker.“ Vor einer anderen Bar rauchen Chris Cooper und Robin Wright Penn. Sie klagt ihm ihr Leid, ihr Gatte würde ja nicht mal bemerken, dass sie heute kein Höschen drunter trägt. Dann kehren sie ins Lokal zurück, nehmen Platz am selben Tisch und führen ihre Ehe fort. Freilich, der Film hat auch seine Momente. So etwa wenn James Caan dem verdutzten jungen Mann, der in der Nacht vorher seine Unschuld an dessen Tochter verloren hat, eröffnet, dass diese nur deshalb im Rollstuhl sitze, weil sie Schauspielerin sei und die Rolle von Helen Keller einstudiere. Oder wenn Cloris Leachman und Eli Wallach zur Feier ihres 63. Hochzeitstages nach Brighton Beach hinauszappeln und sich unterwegs Sticheleien in bester alter Screwball-Tradition liefern.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Votiv)


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