Buch der Stunde

Caravaggio, Käuze und karierte Hemden

Lexikon | Daniela Strigl | aus FALTER 14/10 vom 07.04.2010

Prof. Dr. Dr. Augustin Feinlein hat allen Grund, das Leben zu hassen. 63 ist er – seit einigen Jahren schon, er zählt nicht mehr mit. Sein um vieles jüngerer Rivale Dr. Bruderhofer macht ihm, ungeniert nachdrängend, seine Position als Direktor der Psychiatrischen Landesklinik streitig. Bruderhofer, der Schnürlsamttyp, kämpft für Chemie und gegen Feinleins sanfte Kräutermedizin. Er provoziert den Chef so lange, bis der sich beim Silvestertanz unendlich blamiert. Und zu allem Überdruss hat er ihm auch noch Eva Maria weggeheiratet, Feinleins große Liebe, schon der zweite Mann, der ihm da zuvorgekommen ist. Feinlein hasst das Leben nicht. Er bemüht sich, es – und Dr. Bruderhofer – nicht zu hassen: „Ihm geht es um seine Karriere. Mir um mein Jenseits.“

Wenn Martin Walser, der produktivste Eightysomething der deutschsprachigen Literatur, eine Novelle schreibt, dann nimmt er sich die Freiheit, mit einer Abschweifung zu beginnen: mit der Geschichte von Konrad, dem Knecht in Feinleins


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