Theater Kritik

Ein leiser „Liliom“ am Schauspielhaus

Steiermark | Hermann Götz | aus FALTER 14/10 vom 07.04.2010

Große Weltliteratur und zugleich Folklore. Das ist Ferenc Molnárs „Liliom“. Schön, wenn das Grazer Schauspielhaus einen jungen ungarischen Regisseur hat, den es auf diese Melange ansetzen kann. Die traurige Geschichte vom lustigen Praterstrizzi scheint genau so ein Stoff zu sein, aus dem Viktor Bodó seine Theatertraumbilder webt. Aber keine falschen Erwartungen: Diesmal lässt Bodó kein Ringelspiel tanzen, kein Trapez schwebt über die Bühne. Er legt es nicht drauf an, die Poesie des Dramas ungerührt, aber geschüttelt über die Bühne fegen zu lassen. Er stellt den Text ins Zentrum und lässt die Darsteller in langen Szenen ein vielschichtiges Spiel entwickeln. Dieser Liliom kommt zwar vom Prater her, vom Spaß bleibt meist nur trotzige Erinnerung.

Schauspielhaus Graz, Mi, Do 19.30


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