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Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 14/10 vom 07.04.2010

Wenn der Chef seine Verwunderung darüber kundtut, einen am Arbeitsplatz zu sehen, kann das vieles bedeuten, aber schwer was Gutes: Er wundert sich darüber: dass man a) nach fristloser Entlassung noch da ist; dass man b) überhaupt arbeitet (wo man doch als notorischer Faulpelz bekannt ist); warum man c) als Protestant am Karfreitag überhaupt in die Arbeit kommt. Das fragen sich Wolfgang Kralicek und ich auch. Es ist aber relativ leicht zu beantworten und hat mit protestantischer Ethik zu tun: Wenn Montag Feiertag ist, dann wird Freitag zum Montag, und dann ist es nicht gerade das Gelbe vom Ei, einfach blauzumachen; die Kollegen würden eher rot sehen, weil so tüchtig, dass am Gründonnerstag alles fertig wäre, ist man dann leider auch nicht. Und zur Legitimation der forcierten Farbkalauerei muss nun der Artikel von Gerhard Midding (Seite 28) herhalten, weil: So schön bunt war die Filmseite wirklich schon lange nicht mehr.

Der protestantische Witz ist aus guten Gründen kein rasend weitverbreitetes Genre. Wie ein Witz von einem Protestanten aussieht, kann ich aber genau sagen: Er geht am Karfreitag zuerst in den Swingerclub (S. 21) und danach zur Arbeit. Geswungen wird im Swingerclub zurzeit natürlich nicht, weswegen es auf Kuschelpartys, wo man „achtsame Berührung geben und erfahren kann“, vielleicht heißer hergeht. Was wie eine Satire auf die katholische Kirche (sorry!) klingt, gibt’s aber in echt, wie Stefan Kluger weiß, der während seiner Recherchen beim Kleinanzeiger auch etwas bekuschelt wurde – selbstverständlich achtsamst!


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