Meinesgleichen

Was bedeutete die Fraktur auf dem Falter-Cover?

Falter & Meinung | aus FALTER 14/10 vom 07.04.2010

Christian Schüller, Chef der Sendung „Am Schauplatz“ schreibt (vgl. S. 20), der Falter hätte den ORF auf seinem letzten Cover gleichsam „als Nazihandlanger“ hingestellt. Wir hatten uns tatsächlich mit den Praktiken des ORF auseinandergesetzt (streng, wie es unsere Art ist). Ingrid Brodnig und Martin Gantner fanden in ihrer kritischen Recherche (Falter 13/10), dass in der Tat nicht alles einwandfrei gelaufen sei. Mit diesem Befund aber hatte die Schrift auf dem Cover nichts zu tun.

Die Idee hinter dieser Coverschrift ist eine ganz andere. Selbst wenn wir den ORF kritisieren, müssten wir nachgerade verrückt sein, ihm gleich Nazitum oder einschlägiges Verhalten vorzuwerfen. Dass die gewählte Schrift, die Tannenberg-Fraktur, von den Nazis gern eingesetzt wurde, darf als bekannt gelten. Freunde des Falter-Relaunch wissen, dass die Nazis die Frakturschrift, die sie zuerst favorisiert hatten, später (ab 1941) als „Judenlettern“ brandmarkten. Hitler ließ den Gebrauch von Frakturschriften am Ende sogar verbieten. Dennoch haftet an diesen Schriften ein rechtes Odium. Klar, dass das Cover auf pervers gebrochene Art auf rechtsradikales, postnationalsozialistisches Gedankengut anspielt.

Sollte solches Gedankengut dem ORF unterstellt werden? Nie und nimmer. Im Gegenteil. Mit dieser spielerisch vorweggenommenen Umkehrung wollten wir vor Augen führen, was drohen würde, bekäme der Weltverkehrer und Schuldverdreher Strache am Ende, was er will.


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