Mediaforschung

Nachfragekolumne

Medien | Nathalie Großschädl | aus FALTER 14/10 vom 07.04.2010

Frau Haider-Merlicek, machen Sie sich über die Skifans lustig?

Er kommt schön in die Baaaahhn und hooooch übern Schanzentisch, kommt hoch hinaus. Er hat a Thermik, fliegt wunderbar! Und er fliegt, und er fliegt! Das wird weit! Der geht weit, der Sprung“, begeistert kommentiert der Moderator den Flug eines Skispringers. Blickt man nicht auf den Bildschirm, könnte man glauben, es liefe gerade eine Sportübertragung und ein österreichischer Skispringer wäre auf Siegesflug.

Falsch gedacht: Im Fernsehen läuft der Werbeblock und ein Stiegl-Spot ist zu sehen. Statt eines Skispringers auf der Schanze zeigt das Bild zum Ton einen Mann, der in Straßenkleidung und Skibrille eine Rolltreppe hinauffährt. Oben angekommen setzt er einen Telemark. Dieser Werbespot ist das Remake eines „Projekt X“-Sketches, der in den späten 90er-Jahren im ORF lief. Er soll darauf aufmerksam machen, dass die Salzburger Brauerei Werbepartner des ÖSV Nordic Teams ist.

Rosa Haider-Merlicek, Creative Directorin bei Demner, Merlicek & Bergmann, glaubt nicht, dass dieser Spot Skifans vergraulen könnte – im Gegenteil. „Wenn Werbung so unterhaltsam ist und zugleich das Thema – in diesem Fall die Begeisterung für das Skispringen – so auf den Punkt bringt, dann stehen die Zuseher einem wohlwollend gegenüber“, sagt sie, „guter Humor punktet immer bei den Konsumenten.“

Warum kein Skispringer die Rolle in der mehrfach prämierten Fernseheinschaltung spielte, sondern Herbert Gaspari, Moderator von „Projekt X“, erklärt die Werberin so: „Gaspari beherrscht nicht nur die perfekte Skispringerhaltung, er hat auch den typischen österreichischen Sportkommentator drauf. Fliegen brauchte er nicht zu können, obwohl man sich von so einer Rolltreppenfahrt auch aufgeschürfte Knie holen kann, wie der Dreh zeigte.“


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