Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | Julia Ortner | aus FALTER 14/10 vom 07.04.2010

Die Arztserie ist die Syphilis der Fernsehunterhaltungswelt, dieses Grundwissen setze ich jetzt einmal voraus. Wer möchte schon diese redundanten, schwülstigen Geschichten von Krankheit, Hoffnung und Tod sehen, in denen sich immer dasselbe Personal tummelt. Schicke Ärzte, attraktive Ärztinnen, wahlweise in der Sinnkrise oder auf dem steilen Weg nach oben in den Weißkittel-Olymp. Sie erleben jeden Tag so absurd viele Schicksalsschläge, dagegen ist Hiob ein Witz. Genau nach diesem öden Muster haben die Serienmenschen auch „Grey’s Anatomy“ gestrickt, daran hat sich mit dem Start der neuen Staffel null geändert (PRO7, Mi, 20.15 Uhr). Das Schlimmste an dieser Skalpelloper sind die dauernden erotischen und freundschaftlichen Verwirrungen der Mediziner untereinander: Mit einem Menschen von außerhalb des Krankenhauses haben sie noch nie Sex gehabt, mit ihren Busenfreundinnen konkurrieren sie täglich am Operationstisch. Was für eine jämmerliche Existenz.


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