Hundert Jahre Zeitausgleich

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 14/10 vom 07.04.2010

Die Frage nach dem Hasen und dem Ei

175.950 Singles in der Steiermark, die so viel Druck am Arbeitsmarkt aushalten müssen, dass sie keine Zeit haben, wegzugehen und jemanden kennen zu lernen. Dann konzentrieren sie sich, weil ja zuhause eh niemand wartet, noch mehr auf den Job und machen sich noch viel mehr Druck und gehen erst recht nicht mehr weg. Birgit Schneiderer, leidenschaftliche Kundenbetreuerin bei der BACA, kann ein Lied davon singen: Was jetzt eigentlich der Hauptgrund ist, dass sie in der Krise ist, sagt sie, die Frage ist so müßig wie die Frage nach dem Hasen und dem Ei. Das ist wie mit den Immobiliengeschäften in Amerika drüben, die uns alle da mit reingerissen haben. Auch amerikanisch, aber eigentlich ganz nett ist die relativ neue Tradition, die Osterfeuer durch Feste innerhalb der Wohnungen zu ersetzen, wo Frau Schneiderer sich als Hase verkleidet und so im Bekanntenkreis als Sexsymbol dient. Sie führt aber keine Kundenbesprechungen in ihrem Hasenkostüm durch, weil der Hase nicht unbedingt für Seriosität steht, sondern eher für das Wilde, Ungezügelte und – ja, sagen wir, wie es ist – Geile in uns, das selbstverständlich auch in Frau Schneiderer und den Finanzmärkten weltweit lauert und immer eingezäunt werden muss. Das Tierschutzgesetz ist auch in diesem Fall weiter nicht auf der Seite der Kaninchen, weil es vor der Fleischindustrie in die Knie geht.

Dramatiker Johannes Schrettle ist zwar kaum in Graz, dennoch weiß er immer was von dort zu berichten


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