Kritiken

Die 17 Bildnisse des Dorian Gray

Lexikon | Valerie Kattenfeld | aus FALTER 15/10 vom 14.04.2010

Wer hätte sich das Bildnis des Dorian Gray so vorgestellt? Ein Gesicht, filmisch projiziert über die gesamte Höhe und Breite der Bühne, in Gold und fragmentarisch zersplittert, weil auf 17 Flachbildschirme aufgeteilt. In Bastian Krafts Oscar-Wilde-Adaption „Dorian Gray“ tritt ein Schauspieler in Dialog mit seinem eigenen Bild: Markus Meyer spielt nicht nur den charakterlosen Goldschatz Dorian auf der Bühne, sondern auch alle Figuren im Video, die exakt auf die Live-Aktion getimt sind. So eindrucksvoll das auch ist – irgendwann wünscht man sich eine Auszeit von der Bilderflut. Gewährt wird ein solcher Moment jedoch nur einmal, wenn Dorian in Ohnmacht fällt, alle Flächen weiß werden und man nur die goldene Farbe von seinem Gesicht tropfen sieht – vielleicht das schönste Bild des Abends.

Burgtheater, Vestibül, Sa, Di 20.30


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