Kritiken

Eine Zeitreise ins wilde Wolfgang-Bauer-Land

Lexikon | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 15/10 vom 14.04.2010

Als der Wein noch aus dem Doppler kam, die Zigaretten 15 Schilling kosteten und Graz der Mittelpunkt der Literaturwelt war, schrieb Wolfgang Bauer „Gespenster“. Für das 1974 uraufgeführte Drama hat der Autor nicht groß recherchieren müssen: Das Stück spielt in der Wohnung eines Grazer Dramatikers, der mit einem befreundeten Uni-Dozenten die Zeit totschlägt. Die beiden rauchen wie die Schlote, vernichten Unmengen an Alkohol, spielen „Free Schach“ und inszenieren schließlich ein Rollenspiel, bei dem eine Frau in den Wahnsinn getrieben wird. Garage-X-Seniorchef Dieter Haspel, der die „Gespenster“ schon 1980 einmal inszeniert hat, hat das Stück um rund zehn Jahre verlegt (Teile der Musik und die Zigarettenpreise lassen auf die 80er-Jahre schließen) und vertraut ansonsten ganz auf die ungebrochene Kraft des an großartigen Kalauern reichen Textes. Das funktioniert – allerdings mit zwei Einschränkungen. Erstens sind nicht alle Schauspieler des jungen Ensembles tough genug für das brutale Stück. Zweitens ist die Garage X für klassisches Guckkastentheater räumlich nur bedingt geeignet. Trotzdem: ein unterhaltsamer Trip in eine Zeit, als das Trinken noch geholfen hat.

Garage X, Fr, Sa, Mi, Do 20.00


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