Kritik

Die unbekannte Gestalt hinter den Jalousien

Lexikon | Nicole Scheyerer | aus FALTER 15/10 vom 14.04.2010

Augenaufschlag, Wimpernklimpern, Schlafzimmerblick, alles wieder von vo rne: Ein schier endloser Reigen an Verführungsgesten läuft in dem Video „I’ll Be Your Mirror/Part 1 (Norma)“ ab, bei dem die Künstlerin Karin Fisslthaler Marilyn Monroes letzte Fotosessions zu einem finalen Film zusammengefügt hat. Das Ergebnis, dem man am liebsten ewig zusehen möchte, läuft derzeit in der Gruppenausstellung „Transformers“ im Kunstverein das weisse haus. Wie die Actionfiguren soll hier die Kunst Verwandlungskraft beweisen. Auch Jörg Auzinger nutzt Hollywoodglamour: Seine charmante, interaktive Videoinstallation macht den Betrachter zum Darsteller im Hitchcock-Klassiker „Das Fenster zum Hof“. Beim Durchqueren der Doppelprojektion wird man zu der Figur hinter halb verschlossenen Jalousien, die James Stewart zu erhaschen versucht.

Die Schau hat aber auch formalere Beispiele für mediale Übersetzungen zu bieten. Schön die Idee von Heike Kaltenbrunner, die ein Liniennetz auf Steinen zum Ausgangspunkt von Notationen nimmt. Zwei Musiker interpretierten das Liniengewirr mit Cello und Kontrabass; der Sound wird wiederum auf zwischen Decke und Boden gespannte Bänder übertragen. Unterschiedliche Geräusche erfüllen den Raum mit der Installation von Bernhard Gal. Dazu erstrahlen Projektionen in den Grundfarben Rot, Grün und Blau; insgesamt werden neun Licht-Klang-Environments geboten. Das Thema Massenfreizeitvergnügen wurde in den letzten Jahre so häufig behandelt, dass Catherine Ludwigs Installation zum Motiv Indoor-Skihallen wenig interessiert. Martin Oberascher computeranimiert Yves Kleins berühmten Sprung ins Leere, Ida Divinzenz baut Skulpturen nach Bildern von Franz Marc und Paul Klee. Die kunsthistorischen Referenzen verleihen diesen Arbeiten aber nur wenig Mehrwert.

das weisse haus, bis 11.5.


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