Kritik

Immer schön auf die eige-nen Mukis konzentrieren

Lexikon | aus FALTER 15/10 vom 14.04.2010

Anspielungen auf sportliche Aktivitäten ziehen sich durch das Werk von Josef Dabernig. Allerdings ohne Schweiß. So wurde mal ein Fußballspiel ohne Kicker beobachtet („Wisla“), dann wieder versprach der Filmtitel „Jogging“ Laufkondition und hielt doch nur eine Autofahrt im Trainingsanzug fest. Für seine Ausstellung „Excursus on Fitness“ im Mak ist Dabernig nun bis zum Äußersten gegangen: Als Darsteller im gleichnamigen Film kreist er mit den Schultern und hält dabei sogar zwei Hanteln.

Verlangsamung, Wiederholung, Leerlauf – das sind die Begriffe, mit denen die höchst originären Arbeiten des 1956 geborenen Künstlers beschrieben werden. Dabernigs Kunst kennt vor allem Schwarz-Weiß und gedeckte Farben, insofern fallen die bunten Turnmatten, Gymnastikbälle sowie der chromglänzende Hantelturm auf. Dieses Inventar soll auf die Minimal Art und auf Dabernigs einstigen Professor Joannis Avramidis verweisen. Der Raum wurde in Kojen unterteilt und zu Beginn mit schlimmer New-Age-Musik unterlegt. Die Fotoarbeiten belegen Dabernigs Interesse an den architektonischen Erscheinungsformen von Sportstätten, etwa eines deutschen Stadions mit Fascho-Anklängen.

In dem zentralen Film der Schau gehen nun mehrere Personen recht entspannt Sportübungen nach. Wie bei Dabernig üblich, passiert wenig, jeder bleibt für sich. Die gewisse Spannung, die vergangene Arbeiten des Künstlers vermittelten, entsteht diesmal erst in der Konfrontation mit einem anderen Film. Die – nicht humorlose – sadomasochistische Szene zweier Männer im Film „Parking“ (2003) lädt den aktuellen Fitnessexkurs mit Brisanz auf, bringt Disziplinierung und Gewalt ins Spiel. Insgesamt lässt die Schau an Samuel Beckett denken. Estragon und Wladimir fehlt leider der Hometrainer, während sie auf Godot warten. ns

Mak, bis 12.9.; am 27.4., 18.00 führt der Künstler


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