Neu im Kino

Her mit den kleinen Engländerinnen!

Lexikon | Michael Omasta | aus FALTER 15/10 vom 14.04.2010

Jenny raucht heimlich Gauloises, hört Platten von Juliette Greco und träumt von Paris: Für die 16-Jährige, die in einem Vorort von London aufwächst, ein Ort sehnsüchtiger Verheißungen. Eines regnerischen Tages, sie ist auf dem Schulweg nachhause, hält ein Sportwagen an, um sie und ihr Cello aufzulesen. David heißt der junge Charmeur, der ihr fortan den Hof macht, den strengen Vater und die nachsichtige Mutter um den kleinen Finger wickelt, Jenny zu Konzerten ausführt, zu einem Ausflug nach Oxford entführt und schließlich übers Wochenende mit nach Paris nimmt – dem einzigen für sie passenden Ort auf der Welt, um ihre Unschuld zu verlieren.

„An Education“, der Titel des Films, bezieht sich auf das berühmte „erste Mal“, aber keineswegs nur darauf. Vielmehr zeichnet Lone Scherfig, gebürtige Dänin und Spezialistin für Tragikomödien wie „Italienisch für Anfänger“ (2000), hier mit sanft nostalgischen Strichen die Geschichte und das Lebensgefühl der letzten Generation vor 1968 nach. Der sonst eher für „Männerromane“ bekannte Nick Hornby überrascht als Drehbuchautor hier mit Gefühl für leise Zwischentöne.

An komischen Situationen herrscht kein Mangel, doch mit Fortschreiten der Handlung wird offensichtlich, dass David und seine Freunde, ganz wie die „angry young men“ im britischen Kino eben jener Ära, so manch krummes Ding drehen, um ihre Träume realisieren zu können. Jenny hat die Annehmlichkeiten des Lebens zu schätzen gelernt, auf Dauer identifiziert damit hat sie sich nicht. Carey Mulligan, die mühelos sowohl den Part des naiven Schulmädchens wie jenen der anmutigen jungen Frau meistert, führt das mit Peter Saarsgard, Cara Seymour und Alfred Molina exzellent besetzte Ensemble an.

Ab Fr in den Kinos (OF im Burg, OmU im Votiv)


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