Neu im Kino

Typisch „Coco & Igor“, ist es nicht?

Lexikon | aus FALTER 15/10 vom 14.04.2010

Die Uraufführung von „Le sacre du printemps“ 1913 ist ein Reinfall. Doch während das Premierenpublikum mit Tumulten reagiert, erkennt eine junge Frau im Théâtre des Champs-Élysées stoisch die wahre Größe der Komposition: Die aufstrebende junge Pariserin Coco Chanel (Anna Mouglalis) wird den verklemmten Russen Igor Stravinsky (Mads Mikkelsen) erst Jahre später kennen lernen, seiner Musik ist sie jedoch bereits verfallen.

Chanel, Femme Fatale der Zwanziger, nimmt und leistet sich, was sie braucht, bietet dem Komponisten mitsamt Familie Logis in ihrem Herrinnenhaus – als Menschensammlerin wird Stravinskys ans Bett gefesselte, kranke Frau, sie deshalb schimpfen, als Stoffverkäuferin der Komponist, nachdem die Leidenschaft verflogen ist.

Der von Jan Kounen inszenierte „Coco Chanel & Igor Stravinsky“ möchte sehr viel sein: Milieustudie, Biopic, Liebes- und Künstlerfilm, Ehedrama und Sittenbild. Wenig überraschend ist er das alles und nichts davon wirklich. Ein Film, der chronologisch erzählen muss, um den Konventionen zu genügen, obwohl Stravinsky immer wieder davon spricht, was es heißt, sich in der Musik zu verlieren; der die Affäre zur wichtigen Episode für Chanel stilisieren muss, wo es doch eigentlich um Nonchalance geht.

Bei der „Erfindung“ ihres Parfums mit der Nummer 5 weiß Coco ganz genau, was sie will: nicht zu süß und nicht zu säuerlich. So kreiert man nämlich Erfolg, den man dann in Wahrheit natürlich erst als solchen verkaufen muss. Und genau das versucht auch dieser Film, der deshalb vorauseilend alles „Typische“ repräsentieren will: typisch Russe, typisch Französin, typisch Stravinsky, typisch Chanel. MP

Ab Fr in den Kinos (englOF im Künstlerhaus)


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