Ohren auf

Sammelkritik

Lexikon | Carsten Fastner | aus FALTER 15/10 vom 14.04.2010

Vergessene Moderne

An seinem Anfang, da war das 20. Jahrhundert noch voller Möglichkeiten, eiferten Komponisten um die kühnsten Zukunftsvisionen. In Wien zum Beispiel glaubte einer, durch seine neue „Kompositionsmethode mit zwölf nur aufeinander bezogenen Tönen“ die „Vorherrschaft der deutschen Musik für die nächsten hundert Jahre“ gesichert zu haben, während seine avantgardistischen Kollegen in Russland davon träumten, mit ihrer revolutionären konstruktivistischen Musik den sozialistischen Fortschritt befördern zu können.

Arnold Schönberg, der selbstbewusste Wiener, lag mit seiner Prognose besser (siehe auch Feuilleton, Seite 30). Jedenfalls prägte er die Musikgeschichte weit nachhaltiger als etwa Nikolaj Obuchow, Ivan Wyschnegradsky und Sergej Protopopow. Der deutsche Pianist Thomas Günther hat von diesen dreien einige „Klavierwerke um den russischen Futurismus“ eingespielt (Cybele) und gibt auf seinem auch textlich hervorragend edierten Album eine Ahnung davon,


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