Vor 20 Jahren im Falter

Wie wir wurden, was wir waren

Falter & Meinung | aus FALTER 15/10 vom 14.04.2010

Falter-Skandal

Das Titelblatt dieser Ausgabe erfordert einen Vorgriff. In der darauffolgenden Ausgabe war nämlich auf Seite 3 folgender Protestschrei von zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Falter zu lesen:

„Sie besitzt weder Kopf, noch Beine, noch einen Namen. Um den wohlgeformten Torso ist kunstvoll ein Tuch drapiert. Die Wienerin, Basta und selbstverständlich die Kronen Zeitung mit ihrer Seite 5 schätzen es, ihre Leser und Leserinnen mit nett aufgemachten Frauenkörperteilen zum Kauf anzuregen.

Der Falter – wie immer etwas langsamer – zieht jetzt endlich mit, mit dem Zeitgeist. Das eingangs beschriebene Titelfoto zierte den Falter Nr. 15/90 und sollte sich auf den Schwerpunkt Mode beziehen. Die Titelzeile darüber betraf allerdings die Geschichte auf Seite 5 ‚Frauen bilden Polizisten aus‘. Diese Frauen werden mit dem Frauenbild, das durch diese Illustration vermittelt wird, völlig ungerechtfertigt in Verbindung gebracht. Die Stärke von Frauen, die der Text der Titelzeile vermittelt, wird durch dieses Foto nicht nur zurückgenommen, sondern ins Gegenteil verkehrt.

Wir sehen: die Festschreibung des Frauenbildes als Objekt eines männlichen Fotografen, des lustvollen Betrachters und nicht zuletzt der Bekleidungsindustrie. Ein Bild, das vermutlich auch der Verkaufssteigerung des Falter dienen sollte.

Was den Chef vom Dienst, der gemeinsam mit dem Chefredakteur für dieses Cover verantwortlich ist, zu dieser Gestaltung veranlasste, entzieht sich unserer Kenntnis.

Wir distanzieren uns von dieser frauenfeindlichen und sexistischen Aufmachung des Falter 15/90.

Gerda Brandl, Christian Cargnelli, Lena Doppel, Beate Firlinger, Astrid Kasparek, Hanna Krause, Brigitte Mayr, Beatrix Maier, Michael Omasta, Maria Oppitz, Barbara Zwiefelhofer.“

Ja, was hatte uns zu dieser Untat bewogen? Ich glaube, wir fanden das Bild einfach schön. AT


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