Meinesgleichen

Frau Rosenkranz’ Mut zum Nonsens

Falter & Meinung | aus FALTER 15/10 vom 14.04.2010

Frau Rosenkranz, ich hätte da eine Frage an den Dichter Ihres genialen Wahlplakatslogans. An den Herrn Kickl, der auch volkstümliche Verslein für Herrn Strache verfertigt, wie zuvor schon für den Haider-Jörg, bis dieser zum Verräter wurde, ehe er dann doch wieder irgendwie mit dem Strache … lassen wir das. Kickl kann’s bösartig, das ist bekannt. Dass er höheren Nonsens draufhat, wussten wir noch nicht.

Der Slogan „Ohne Mut keine Werte“ ist als Antwort auf Heinz Fischers Wertekampagne gedacht, das verstehen wir schon. Kickl legt Ihnen in den Mund, Heinz Fischer sei ein feiger Hund, das verstehen wir auch. Hans Dichand hat Ihnen in diesem Sinn attestiert, eine mutige Mutter zu sein.

Was man gerne wüsste, ist, wozu Sie Mut haben. Zu Ihren Überzeugungen stehen Sie jedenfalls nicht gerade schneidig, Sie schwören ihnen vielmehr bei Bedarf notariell ab, wenn man es von Ihnen verlangt. Aber das wollt ich gar nicht sagen. Ich wollte Sie für Ihren Mut zum Nonsens loben. „Ohne Mut keine Werte“: Soll das heißen, alles, was Werte schafft, ist mutig? Was feig ist, schafft keine Werte? Sind Vorsicht und Rücksicht demnach Werte oder nicht? Wollen Sie uns zum Studium der Volkswirtschaft (Werttheorie) anstiften? Sollen wir wieder das „Kapital“ von Karl Marx lesen?

Ich weiß nicht, ob Sie all das bedacht haben. Vielleicht schreiben Sie einfach einmal was anderes auf Ihr Plakat: Ohne Blut keine Härte, zum Beispiel. Oder: Ohne Wut keine Gerte. Merkt eh keiner.


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