Mediaforschung

Nachfragekolumne

Medien | Nathalie Grossschädl | aus FALTER 15/10 vom 14.04.2010

Herr Reinthaler, braucht die Polizei eine Imagekorrektur?

Eine verständnisvolle junge Polizistin, die einem verstörten Kind zuhört; athletische Exekutivbeamte, die eine Gruppe Bösewichte überwältigen; dazu der Slogan „die Polizei – mehr als ein Beruf“: So sieht die großangelegte Werbekampagne aus, mit der die Wiener Exekutive auf Nachwuchssuche geht. Das ehrgeizige Projekt ist die größte Rekrutierungsaktion der Wiener Polizei seit Jahrzehnten: Inserate, Plakate und Spots auf den TV-Sendern Puls, RTL 1 und 2, Pro 7, ATV, Vox sowie im Kino sollen junge Menschen für den Beruf des Ordnungshüters begeistern.

Gestaltet wurde die Kampagne von der Werbeagentur Headquarter. Allerdings gibt man sich dort bei Journalistenanfragen bedeckt und verweist direkt an die Bundespolizeidirektion Wien. Dort erläutert Pressesprecher Manfred Reinthaler, dass der Werbeauftritt neu anmuten möge, dass aber die Botschaft immer noch die alte sei: „Die Polizei will helfen, zuhören, schützen“ und: „Sie ist Teil der Gesellschaft und soll die Gesellschaft widerspiegeln“. Die Exekutive arbeite deshalb darauf hin, sagt Reinthaler, dass sich verstärkt Österreicher mit nichtdeutscher Muttersprache bewerben. Derzeit seien nämlich nur wenige Polizisten mit Migrationshintergrund im Amt. Jährlich stellt die Polizei 450 neue Polizisten an. Noch bis 2013 soll der Personalstand in diesem Ausmaß erweitert werden, sagt der Sprecher.

Die Aufnahmekriterien sind übrigens streng wie eh und je: Erwünscht sind unbescholtene österreichische Staatsbürger, nicht älter als 30 Jahre, mit B-Führerschein und einem Body-Mass-Index von 18 bis 25. Männer müssen beim Bundesheer gewesen sein. Wie Reinthaler betont, hat sich seit Start der Aufnahmeoffensive die Anzahl der Bewerber verdoppelt. Allerdings ist die Drop Out-Quote hoch.Die größte Hürde, so der Sprecher, stellt der Rechtschreibtest dar.


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