Was ich von Tom & Huck gelernt habe

Feuilleton | aus FALTER 15/10 vom 14.04.2010

Warum der Mond ein Frosch und der Pragmatiker dem Psychotiker ziemlich ähnlich ist

Gutachten: Paulus Hochgatterer

Von Tom Sawyer zu profitieren, ist einfach. Er befriedigt nicht nur zuverlässig das bildungsbürgerlich-spießige Bedürfnis des Lesers nach Affirmation, indem er ständig Scott, Dumas, die Bibel und andere Werke der klassischen Abenteuerliteratur zitiert, sondern versorgt einen darüber hinaus noch mit einer Fülle an griffigen Lebensleitlinien.

Als Frühadoleszenter habe ich mir zum Beispiel Folgendes gemerkt: Schule ist in erster Linie gepflegte Missgelauntheit. Askese bringt gar nichts. Sterben zu wollen ist das Normalste auf der Welt. Geschwister sind die Pest. Die schlichte Wahrheit ist ungenießbar. Ruhe hat man erst, wenn die anderen glauben, man ist tot.

Das rutscht runter und sättigt am Ende angenehm, entstammt es doch der Beschreibung der Innenwelt eines Heranwachsenden, die ihre Dynamik vornehmlich aus neurotischen Konstellationen, also dem Umgang mit inneren Konflikten,

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