Urbaner Hippie mit Wimperntusche

Feuilleton | aus FALTER 15/10 vom 14.04.2010

Seltsam, aber reizvoll: Der Liedermacher Hans Unstern und sein Debüt „Kratz dich raus“

Rezension: Gerhard Stöger

Ein junger Mann schlurft im Großen Sendesaal des Radiokulturhauses auf die Bühne. Mit seinem wallenden schwarzen Gesichtshaar sieht er aus wie der kleine Bruder des amerikanischen Weird-Folk-Darlings Devendra Banhart. Oder wie Charles Manson, der in den Glamrock-Schminktopf gefallen ist. Das Publikum scheint er gar nicht zu bemerken.

Mithilfe diverser Effektgeräte bastelt der junge Mann ein dröhnendes Intro der Marke „Achtung: Avantgarde!“. Er stöpselt die Stromgitarre ein, der Lärm löst sich überraschend schnell in Harmonie auf. Mit geschlossenen Augen singt der Glam-Hippie einen seltsamen deutschen Text über Penisse, die Autobahnen auf der Überholspur entlangjagen, über gefaltete Ohren, die Frau im Mond und vertrocknete Tinte im Bauch.

Auf der kleinen Leinwand hinter ihm spielt dazu eine Jazzband, Schlagzeug, Klavier, Kontrabass. Plötzlich sind die Männer


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