Fragen Sie Frau Andrea

Der Tabak mit der seltsamen Zahl

Kolumnen | aus FALTER 15/10 vom 14.04.2010

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Liebe Frau Andrea,

tout l’Autriche beschäftigt sich damit, ob in Lokalen geraucht werden darf oder nicht. Niemand fragt sich, was denn da geraucht wird in den Feinstaubtempeln. Muss ich mich fürchten vor Rauchern, die Ernte 23 pofeln? Sind das Illuminaten? Freimaurer gar? Und warum heißt die Marke überhaupt so seltsam?

Beste Grüße

Ines Zirbensäger aus Margareten,

per Elektropost

Liebe Ines,

vor den Freimaurern müssen Sie sich nicht fürchten. Zwar beschäftigen sich die Masonen ausgiebig mit Zahlen und ihren mystischen Implikationen, aber die 23 gehört nicht zu ihrem Nummernarsenal. Drei, fünf, sieben, zwölf, 24 und 33 liegen ihnen mehr am Herzen. Den Illuminaten wird die Zahl 23 und die unglückbringende Magie, die ihr innewohnen soll, ganz zu Unrecht zugeschrieben.

Besonderer Verdienste in der Verbreitung von Verschwörungstheorien zur Zahl 23 dürfen sich William S. Burroughs und das Autorenduo der „Illuminatus!“-Trilogie, Robert Shea und Robert Anton Wilson, rühmen. Im deutschsprachigen Raum hat Hans-Christian Schmids Hacker-Film „23 – Nichts ist so wie es scheint“ für nachhaltige Furcht vor der Zahl 23 gesorgt. Mit der numerologischen Qualität der Zahl 23 und etwaigen unheilbringenden Eigenschaften hat die Zigarettenmarke aus dem Hause Reemtsma nichts zu tun.

Die Zigaretten in der spartanisch gestalteten orangen Schachtel mit dem schnörkellosen Schriftzug sind besonders bei deutschen Nikotinisten beliebt und heißen nach einem Ereignis, das profaner nicht sein könnte. Der Markenname Ernte 23 geht auf das Jahr 1923 zurück, als aus Smyrna geflüchtete Griechen im Distrikt von Saloniki einen Tabak anbauten, dessen Ernte so ungewöhnlich gut ausfiel, dass man sie im Hause Reemtsma als Mischungsgrundlage und Name für eine eigene Marke empfahl.

Bei aller Profanie wohnt der Tschicksorte Ernte 23 dennoch ein numerologischer Mythos inne. Auf die Ernte-23-Banderole war jahrelang produktionstechnisch bedingt eine Buchstaben- und Zahlenkombination gedruckt. Unter den damaligen Rauchern ging die Mär, dass man beim Entdecken der zufälligen Abfolge „ERNTE23“ die Marke ein Leben lang gratis rauchen könne.


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