Kritik

Schüler machen Theater: letzte Ausfahrt Auslandia

Lexikon | Sara Schausberger | aus FALTER 16/10 vom 21.04.2010

Auf einem Klettergerüst am Spielplatz des Arenbergparks, in der Kühle des Flakturms, in einsamen Nischen und vor rohen Ziegelwänden, erzählen Schülerinnen und Schüler im Stationentheater „Auslandia“ von einer rassistischen Welt, in der es eine rechte „Heimatpartei“ gibt, einen die Leute blöd anschauen und man die Freundin, die man gerne hätte, nicht haben darf, weil sie nicht von da ist. Es ist die Sicht der Jugendlichen auf eine Welt, der sie entfliehen wollen. Das Stück wurde in einem mehrmonatigen Schreibprozess zusammen mit Stephan Lack von ihnen selber erarbeitet.

Zwei sprechen darüber, dass heute wieder welche versucht hätten, sich mit einer Cola-Flasche gegenseitig die Schädel einzuschlagen. Ein junges Mädchen aus Bosnien sagt: „Wenn ich mein Leben bis jetzt beschreiben müsste – es war scheiße.“ Eine, die bis dahin „bei den Bösen war“, meint, sie hätte eine zweite Chance verdient. Ein anderer sagt, man müsse Opfer bringen für das, woran man glaubt, und die Suche nach „Auslandia“, dem Land, in dem alles anders ist, wagen. Niemand weiß so recht, wo dieses Land liegt, aber Auslandia soll gastfreundlich und von Göttern geschaffen worden sein – und nach einer Fahrt mit dem Lastenaufzug wird man in Auslandia willkommen geheißen. Im obersten Stock des Flakturms werden die Zuschauer zu Bewohnern dieses utopischen Landes.

Ab da verliert die Inszenierung von Yvonne Zahn leider an Spannung und Authentizität, in futuristischen Kostümen wird unsere rechte Politik widergespiegelt, und der persönliche Zugang der Jugendlichen, der die Qualität des ersten Teil des Abends ausmacht, geht verloren. Das Stationentheater wird zum Sitztheater; schade, dass die Kapazitäten des Flakturms nicht besser genutzt werden.

Mak-Gegenwartskunstdepot im Gefechtsturm Arenbergpark, Fr, Sa, Di, Mi, Do 19.00


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige