Vernissage

Secession: Grenzkontakte auf Augenhöhe

Lexikon | Nicole Scheyerer | aus FALTER 16/10 vom 21.04.2010

Mit Performances an der Grenze der Wahrnehmbarkeit thematisierte der tschechische Künstler JiYi Kovanda in den 70er-Jahren soziale Grenzen im öffentlichen Raum. So drehte er sich etwa zu Menschen hinter sich auf der Rolltreppe um und schaute ihnen unvermittelt in die Augen. Ein anderes Mal stand er mit ausgebreiteten Armen auf dem Prager Wenzelsplatz. Auch vergängliche Skulpturen errichtete der 1953 geborene Künstler, wenn er beispielsweise kleine Türme aus Zuckerwürfeln hinterließ oder bei seiner letzten Wiener Galerieausstellung Erbsen auf dem Gehsteig verteilte. Dort waren auch Kovandas minimalistische, stets fein humorvolle Collagen zu sehen. Im Mittelpunkt seines aktuellen Eingriffs in der Secession wird eine Wand in Augenhöhe stehen, die den Ausstellungsraum in zwei Hälften teilt. Ein- und Ausbuchtungen in dieser „Mauer“ laden die Betrachter ein, an dem für Kovandas Kunst typischem Spiel von Verstecken und Suche teilzunehmen. Die anderen Räume der Secession bespielen weit jüngere Künstlerinnen. Die Wienerin Anna Artaker, Jahrgang 1976, präsentiert unter dem Titel „48 Köpfe aus dem Merkurov Museum“ ein Fotoserie und zwei Filme. Als Staatskünstler der Sowjetunion nahm der Bildhauer Sergei Merkurov wichtigen Persönlichkeiten des Regimes Totenmasken ab. In ihrer Verarbeitung dieser Erinnerungsobjekte geht es der Künstlerin um die medientheoretischen Implikationen solcher „Konservierungen“ von Körpern. „In die Höhle“ lädt die aus Neuseeland stammende Künstlerin Francis Upritchard mit ihrer neuen Installation, bei der sie durch Objekte konventionelle Vorstellungen von dem versammelt, was gemeinhin unter Kultur verstanden wird. Jugendstil trifft hier auf Hippietum und New Age, auf dass sich unerwartete Bezüge ergeben.

Secession, Do 19.00; bis 20.6.


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