Ausstellung Kritik

Wenn Bilder unter die Haut gehen

Lexikon | aus FALTER 16/10 vom 21.04.2010

Der Name WestLicht steht einerseits für breitentaugliche Fotoausstellungen, andererseits für Auktionen von raren Kameras. Nun will sich die Privatinstitution verstärkt dem Nachwuchs in der heimischen Fotokunst widmen. Den Auftakt zu dieser aus dem Fördertopf von departure mitgesponserten Spezialisierung macht die Ausstellung „Blickwechsel – Österreichische Fotografie Heute“. Die Kuratorinnen Eva Schlegel und Elsy Lahner haben 19 Positionen ausgesucht, die miteinander aber herzlich wenig zu tun haben. Der Fokus liegt weder auf dem Nachwuchs noch auf aktuellen Strömungen – insgesamt eher „aus jedem Dorf ein Hund“.

So stehen etwa die Reisefotos, die Johanna und Helmut Kandl größtenteils in Osteuropa aufgenommen haben, mit ihrem poetischen Dokumentarismus alleine da. Lyrische Spurensicherung ganz anderer Art betreibt Martin Walde, der auf seinen großformatigen Fotos zeichnet und so zwei Bildebenen kreiert.

Über das Verhältnis von Performance und Fotografie wird viel geschrieben. Nüchtern dokumentarisch lässt sich Roberta Lima bei ihren Body-Art-Aktionen filmen und fotografieren. Kamen Stoyanov klettert auf ein Podest und posiert als Lenin – kein besonders originelles Statement für einen Bulgaren. Auch die Kunstmarktschlager „One Minute Sculptures“ von Erwin Wurm zeigt die Schau, aus der Arbeiten bei der nächsten WestLicht-Auktion versteigert werden.

An die materielle Geschichte des Mediums knüpft Agnes Prammer an, deren eindringliche Porträts auf Glasplatten faszinieren. Rita Nowak taucht vom Motiv her in die Kunstgeschichte ein und stellt bekannte Bildmotive nach. In den hintersinnigen Fotoinszenierungen von Julia Willms erobert sich die Natur Terrain zurück, wenn etwa Miniaturwälder am Badewannenrand wachsen. ns

Westlicht, bis 16.5.


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