Buch der Stunde

Shoah-Business und Empathie-Ermüdung

Lexikon | Klaus Nüchtern | aus FALTER 16/10 vom 21.04.2010

Iris Hanika, 1962 in Würzburg geboren, macht es mal andersrum: Wo österreichische Autoren meist zu deutschen Verlagen streben, ist sie von Suhrkamp zu Droschl gewechselt und wurde mit „Treffen sich zwei“ prompt für den Deutschen Buchpreis 2008 nominiert. Nicht auszuschließen, dass ihr das bald wieder passiert, denn so mutige, witzige, kluge und anrührende Romane wie „Das Eigentliche“ einer ist, gibt’s nicht viele.

Hanikas Unterfangen ist heikel, denn ihr Thema „ist das Shoah-Business“ zu dem dem Protagonisten Hans Frambach dessen Arbeit im „Institut für Vergangenheitsbewirtschaftung“ geworden ist: „Ich habe immer gedacht, es sei meine Pflicht, diese Arbeit zu tun, aber mittlerweile komme ich mir mit meinem Pflichtbewusstsein wie ein KZ-Wächter vor, nur dass heute die KZ-Wächter dafür sind, die Erinnerung wachzuhalten.“

Das erinnert in seiner provokativen Power an Martin Walsers berüchtigte Pauluskirchenrede – sollte allerdings nicht als in Figurenrede gekleideter


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