Kunst Kritik

Panorama reloaded: Sehnsucht nach Sehsucht

Steiermark | Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 16/10 vom 21.04.2010

Das Panorama hatte seine beste Zeit im 19. Jahrhundert. Als noch kein Massentourismus denkbar war, versorgte es die Betrachter mit Rundumblicken auf berühmte Städte wie London, Paris oder Rom, lieferte Impressionen noch nicht erschlossener Gebirgslandschaften oder aufsehenerregende Schilderungen bedeutender Kriegsschauplätze. Die Sehsucht der Leute war in den unterschiedlichsten Formaten befriedigt: vom Kleinstpanorama am Tellerrand bis zum gewaltigen Rundbild in der eigens dafür gebauten Rotunde.

Das gutbürgerliche Genre mag heute veraltet sein, der von ihm beschworene panoramatische Blick wird einer zeitgenössisch-kritischen Befragung dennoch für wert befunden, wie die von Michael Goldgruber und Andreas Heller kuratierte Ausstellung „Above and Beyond“ im Forum Stadtpark zeigt. In insgesamt 13 Positionen wird dort das „Blickregime des Ausschauhaltens“ zur Diskussion gestellt. Die gleichfalls panoramatische Bandbreite reicht von den romantischen Implikationen, die eine Spiegelung des naturbegeisterten Empfindens im Landschaftlichen zutage fördert, bis hin zur Hinterfragung der inzwischen ja gängigen Eventisierung des Landschaftlichen: Hiroyuki Masuyama empfindet etwa Caspar David Friedrich nach, Richard T. Walker zeigt sich selbst, die schönsten Landschaften besingend, beklatschend oder zumindest besprechend, Daniel Zimmermann baut mit genormten Holzleisten die Ideallinie der Lauberhornabfahrt nach und spult sie dann im Video ab. Christoph Grill zeigt mit seinem Blick auf Turkmenbashi in Turkmenistan, dass es immer noch Landstriche gibt, die kaum erkundet sind und still außerhalb jeder Kommerzialisierung liegen, und Bashir Borlakov streut in seine Panoramen Szenen ein, die lange nachwirken.

Forum Stadtpark, bis 9.5.


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