Enthusiasmuskolumne

Diesmal: Die beste CD-Compilation der Welt der Woche

Feuilleton | Gerhard Stöger | aus FALTER 16/10 vom 21.04.2010

Als in Wien das Neonlicht anging

Grau in Grau, wohin i schau“, hat Wolfgang Ambros einst gesungen. Er meinte damit den Kasernenhof, aber ebenso gut hätte er ganz Wien mit diesen Worten beschreiben können.

Auf die 70er folgten überraschenderweise auch hier die 80er, und eine tote Stadt begann plötzlich zu leben. Entgegen anders lautenden Gerüchten war es nicht Helmut Zilk alleine, der das Grau aus der Stadt kehrte. Es gab auch eine junge Musiksubkultur, die Postpunk und New Wave an den Donaustrand holte und allerlei Farbtupfer zwischen klassischem Schwarz und schrillem Neon setzte.

Band- und Lokalgründungen gingen Hand in Hand, Künstler griffen neben dem Pinsel auch zu Synthesizern und Videokameras.

Und nein, wir sprechen hier nicht von Falco und dem New-Wave-Austropop der Marke Minisex. Gemeint sind Bands und Projekte wie Rassemenschen helfen armen Menschen, Pas Paravant, Zyx, Molto Brutto, Astaron, Plastix, Die Nervösen Vögel, Karl Gott oder Flamingo. Nie gehört?

Kein Wunder, das Werk dieser Acts beschränkte sich vielfach auf eine Handvoll Songs, veröffentlicht auf Singles in Mini-Auflagen, LP-Samplern mit Titeln wie „Die tödliche Dosis“ oder überhaupt nur auf selbstkopierten Musikkassetten. All diese Bands und zwei Dutzend weitere noch dazu hat das Wiener Label Klanggalerie ausgegraben und auf die Doppel-CD „Neonbeats“ gepackt.

Vom ehemaligen Falter-Musikkritiker Chris Duller mit Erinnerungen ans Wien der 80er versehen, ist so das bisher eindrucksvollste retrospektive Dokument des agilen Treibens im Wiener Popunderground dieser Zeit entstanden. Das Beste daran: Die hier versammelte Musik ist nicht nur saurar, sondern großteils auch sehr leiwand.

Ob die Protagonisten so gut alterten wie ihre Lieder? Das kann am 24. April bei der „Neonbeats“-Präsentation im Replugged überprüft werden. Die Musik soll dort nämlich nicht nur aus der Konserve kommen.


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